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Hamburg: Weichen für Wachstum

„Weichen für Wachstum – Wie Hamburg seine wirtschaftliche Zukunft gestaltet“
Diskussionsveranstaltung vom Bundesverband mittelständische Wirtschaft BVMW und der Konrad Adenauer Stiftung in den Räumen der Patriotischen Gesellschaft von 1765 in Hamburg

Zum Thema „Wie kann Hamburg seine wirtschaftliche Zukunft gestalten“ gab es am 28. Mai 2026 eine interessante Diskussionsveranstaltung des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW) und der Konrad Adenauer Stiftung (KAS) mit Eva Botzenhart, der Sprecherin für Wirtschaft, Digitalisierung und Datenschutz vom Bündnis 90/Die Grünen, dem Fraktionsvorsitzenden der SPD Dirk Kienscherf, Sascha Greshake, von der CDU, Bernhard Jurasch, Erster Vorsitzender des Wirtschaftsvereins Billbrookkreis, Frank Schulz, Geschäftsführer des Straßenbauunternehmens Max Wiede GmbH und Dr. Hans-Jürgen Völz, dem Bundesgeschäftsleiter des BVMW.

Ein Blick in die Zukunft

Die Veranstaltung bot einen Blick auf die Stärken und aktuellen Entwicklungen des Wirtschaftsstandortes der Hansestadt Hamburg, und die Wettbewerbsfähigkeit mit Fokus auf die nahe Zukunft. Die Moderation der Veranstaltung hatte David Mbae-Straßenburg, der Landesbeauftragte für Hamburg und Leiter des politischen Bildungsforums der KAS.

Im Zentrum der Diskussion stand die Frage, wie Hamburg mit den neuen Herausforderungen, wie Digitalisierung und Konkurrenz durch andere Metropolen, dennoch wettbewerbsfähig und stark bleiben könne und welche Reformen und Maßnahmen unbedingt auf Landesebene angestoßen werden müssten, ohne auf Impulse aus Berlin oder Brüssel warten zu müssen. „Uns geht es um Hamburg, darüber wollen wir sprechen.“

Auf der Themenliste standen an diesem Abend als ganz konkrete Anforderungen an die Politik, wie die Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren, um Investitionen in Infrastruktur, Gewerbe und andere Planungsbereiche schneller zu ermöglichen, die Sicherung von Fachkräften und die Unterstützung von Start-up-Unternehmen, die sich in Hamburg etablieren wollen.

Politik und Praxis zusammenbringen

Der Standort Hamburg stehe zum aktuellen Zeitpunkt „wirtschaftlich noch ganz gut da“, so die Aussagen der Teilnehmer der Veranstaltung, was vor allem an den vielen Vorteilen liege, die Hamburg als Standort mitbringe, wie die gute Erreichbarkeit, eine akzeptable Infrastruktur, den Hamburger Hafen und einen attraktiven Wohnort für Arbeitskräfte, die in die Hansestadt kommen.

Wichtig für die weitere wirtschaftliche Entwicklung und die Vermeidung von Abwanderung von Unternehmen aus der Hansestadt sei die Entbürokratisierung, die weitere Verbesserung der Infrastruktur und die Gewinnung von dringend benötigten Fachkräften.

Laufende Genehmigungsverfahren würden viel zu lang in ihrer Bearbeitung feststecken und es sei an der Zeit, dass sich die Verantwortlichen einsetzen müssten, um die Industrie in der Hansestadt durch die Beschleunigung von Verfahren zu unterstützen. Immerhin sei auch der Industriestandort Billbrook einer der größten innerstädtischen Produktionsstätten, an dem über 24.000 Menschen einen Arbeitsplatz haben und Gelder in die Hamburger Kassen fließen, die dann anderweitig eingesetzt werden können.

Frank Schulz von der Max Wiede GmbH betonte im Rahmen der Diskussionsrunde, dass sich Bauzeiten extrem verzögern würden, weil alle Grundstücke und Zufahrten zu jeder Zeit erreichbar sein müssten und sich dadurch alle Arbeiten über Wochen verzögern würden, was wiederum einer gängigen Infrastruktur entgegenstehe.

Zum Thema Digitalisierung betonte Dirk Kienscherf (SPD), die Digitalisierung schreite in Hamburg zwar schon in großen Schritten voran, müsse aber noch in ihrer Entwicklung unbedingt weiter beschleunigt werden. Die Innovationskraft der Unternehmen müsse zudem gestärkt werden. Kienscherf sprach von Maßnahmen zur Komplexität der Abläufe mit dem Ziel, die Digitalisierung voranzubringen.

Verfahren müssten insgesamt unbedingt vereinfacht werden, so die Meinung der Diskussionsrunde, und auch die Möglichkeit, Fachkräfte aus dem Ausland zu gewinnen in ihren komplexen Abläufen minimiert werden. Zu viele Institutionen seien oft an den Prozessen beteiligt und man „müsse Dinge einfach auch mal laufen lassen, anstelle immer weiter zu prüfen“, so die Kritik einiger Teilnehmer.

Bernhard Jurasch vom Billbrookkreis erinnerte daran, dass die meisten Unternehmen auf der Suche nach geeigneten Fachkräften seien, es aber ein vereinfachtes Verfahren geben müsse, die möglichst bereits gut ausgebildeten Arbeitskräften, die schon mit Sprachkenntnissen kommen sollten, in die Firmen zu integrieren. Wichtig sei dabei auch die Frage nach passendem Wohnraum. Ein Arbeitnehmer, der sich für den Standort Hamburg interessiere, brauche auch die Aussicht auf eine passende Wohnung. Hamburg habe, so Jurasch, die besten Voraussetzungen für eine gute Wirtschaft, möchte expandieren und entbürokratisieren und werde ausgebremst durch teilweise jahrelang andauernden Genehmigungsverfahren. „Da könnten einem wirklich die Tränen kommen.“

Zukunftsentscheid 2040

Zum Thema Zukunftsentscheid (Klimaneutralität im Jahr 2040) gab es geteilte Meinungen, der Tenor lag aber darin, dass Hamburg es nicht schaffen könne, schneller als der Rest Deutschlands (2045) klimaneutral zu werden. „Selbst, wenn wir alle Industrie aufgeben würden, würde diese doch an anderer Stelle aufgebaut werden“. Aus idiologischer Sicht, sei dieser Wunsch vielleicht verständlich, was aber alles daran hänge, sei vielen vermutlich gar nicht bewusst.

Fazit der Diskussionsrunde: Es müssten viele wichtige Entwicklungen in Hamburg schneller vorangebracht werden, vor allem mit Hilfe der Politik, denn Entscheidungen würden nicht die Bürokraten, sondern eben die Fraktionen treffen.   gr

Fotos: Shendl (Alexandra) Copitman

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