Geschichte(n)

Blühende Landschaften

Der Billbrook ist ein Sumpfgebiet am Rande der Marsch im Urstromtal der Elbe, das nach Norden hin von dem Fluss Bille begrenzt wird. Bereits im 13. und 14. Jahrhundert wurden Marschflächen an der Bille eingedeicht. Seit 1395 gehörte das Gebiet zum Hamburger Landgebiet und dort zum Dorf Billwärder. Neben der bäuerlichen Besiedlung bauten sich wohlhabende Hamburger seit dem 17. Jahrhundert Landhäuser auf dem Billbrook. Einige dieser Häuser standen bis in das 20. Jahrhundert und wurden später als Gaststätten genutzt. Das Gartenrestaurant Billwärder Park an der Blauen Brücke wurde z.B. 1727 als Landhaus errichtet und gehörte Ende des 18. Jahrhunderts dem Hamburger Senator Joachim Caspar Voigt.

Frühe Industrialsierung

 
Nachdem sich bereits ab 1850 im westlichen Billbrook Industrie ansiedelte, führte die Aufschüttung des Geländes Ende des 19. Jahrhunderts zu einer Verdrängung der Landwirtschaft durch Industriebetriebe. Die Bille wurde auf der Höhe Bergedorfs kanalisiert und umgeleitet. 1903 wurde der Tiefstackkanal erbaut. 1912 wurde Billbrook von Billwerder,  losgelöst und als eigener Stadtteil in die Kernstadt Hamburg (Hamburg war damals rechtlich gesehen ein Flächenstaat) eingemeindet. Das Gebiet wurde durch ein Netz von sehr breiten und über weite Strecken schnurgeraden Straßen erschlossen, die für Hamburg eigentlich untypisch sind und neben den Kleingärten und den Wasserflächen der Bille den Charakter des Industriegebietes ebenso prägen, wie die sitllgelegten Bahngleise und grüne Böschungen. Nur noch wenige Gebäude erinnern mit ihrer Architektur an die Frühzeiten der Industrialisierung. Auch Billbrook war von den Flächenbombadieurungen durch die Alliierten betroffen und wurde nach dem Krieg weitehend wieder aufgebaut. Fünf breite Kanäle (Tiefstack- und Billbrookkanal sowie Tide-, Industrie- und Moorfleeter Kanal) dienen der Entwässerung, sind aber auch mit geringem Tiefgang schiffbar. Das Gebiet um die Mündung des Tiefstackkanals, der Billbrook vom benachbarten Stadtteil Rothenburgsort auf der Insel „Billwerder Ausschlag“ trennt, in die Billwerder Bucht wird auch als „Tiefstack“ bezeichnet.
 
1914 bis 1917, also während des Ersten Weltkrieges, wurde mit dem Großkraftwerk Tiefstack, die bis dahin größte Kraftwerksanlage der HEW erbaut. Das Kraftwerk hatte eine Leistung von 100.000 Kilowatt, fünfmal so viel wie die das bis dahin größte HEW-Kraftwerk. Es wurde 1993 durch das heutige Heizkraftwerk ersetzt. Im Zweiten Weltkrieg wurde Billbrook großflächig zerstört. Gegen Ende des zweiten Weltkriegs wurde auch Billbrook großflächig zerstört.

Nordeutschlands größtes Industriegebiet

 
Billbrook beherbergt das Heizkraftwerk Tiefstack der ehemaligen Hamburgischen Electricitäts-Werke (jetzt Vattenfall Europe), ein Müllheizkraftwerk mit angeschlossenem Biomasse-heizkraftwerk und eine Sondermüllverbrennungsanlage. Daneben gibt es diverse große und kleine Entsorgungs- und Recyclingsbetriebe.Seit einigen Jahren haben sich in Billbrook immer mehr Im- und Exportbetriebe angesiedelt. Vor allem alte Kfz und LKW die von Billbrook aus in alle Welt gehen, sind hier zu finden. Dies gilt auch für Elektro- und Elektronikgeräte, die mehr oder weniger legal als Wirtschaftsgut nach Afrika, Asien oder Osteuropa weitertransportiert werden. Billbrook bietet vor allem flächenintensiven Betrieben wie Speditionen und den Lagerhallen von Handelsunternehmen (z.B. Otto-Versand, Olympus) eine Heimat.
 
Aber auch das Unternehmen J. J. Darboven produziert dort Kaffee. In Billbrook sind heute viele Unternehmen aus der Lebensmittelbranche zu finden, von der Gewürzmühle, über Sirupproduktion, Brotfabrik bis zur Bio-Lebensmittel-Lägern und Lebensmittelgroßhändlern aller Art.

Billbrook in Zahlen

 
Die Einwohnerzahl des heutigen Stadtteils Billbrooks sank zwischen dem 31. Dezember 1998 und dem 31. Dezember 2007 um 31%. Auf dem 6,1 m2 großen Gebiet wohnten:
 

  • 1998: 1.609 Einwohner
  • 2004: 1.783 Einwohner
  • 2006: 1.385 Einwohner
  • 2007: 1.117 Einwohner

Wolfgang Borchert und Bill Brook

 
Der Stadtteil wurde von Wolfgang Borchert in seinem Hörspiel Bill Brook sucht Billbrook verewigt. Ein kanadischer Soldat namens Bill Brook kommt nach dem Zweiten Weltkrieg mit seiner Einheit nach Hamburg. Als die Truppe am Hauptbahnhof den Zug verlässt, um zur Unterkunft zu marschieren, fällt sein Blick auf den Wegweiser nach Billbrook. Noch am selben Abend fällt sein Entschluss, diesen Ort zu besuchen, der seinen Namen trägt. Er marschiert an seinem ersten freien Tag über Stunden durch zerstörte Straßenzüge (es muss sich dabei um die Stadtteile Hammerbrook und Rothenburgsort handeln), ohne eine Menschenseele zu treffen, und kommt schließlich an ein Gewässer (wohl die Bille östlich von Billbrook), an dem einige Männer kampieren und angeln. Er fragt sie nach dem Weg nach Billbrook und muss lernen, dass er zuletzt durch das zerstörte Billbrook marschiert ist und es diesen Ort wohl faktisch nicht mehr gibt. Auf dem Rückweg beginnt er die Zerstörungswucht des Krieges mit anderen Augen zu sehen. Der Film wurde 2004 vom Filmemacher Michael Blume verfilmt und ist leider nicht mehr im Verleih.

Top